Sex in der Schwangerschaft – auf was solltet Ihr achten?  

Mit der Schwangerschaft beginnt eine aufregende Zeit voller Veränderungen – körperlich, emotional und auch in der Partnerschaft. Viele werdende Eltern merken schnell: Das eigene Sexleben fühlt sich plötzlich anders an. Fragen tauchen auf, Unsicherheiten vielleicht auch. Was ist erlaubt? Was fühlt sich noch gut an? Und wie kann Intimität gelingen, wenn sich der Körper verändert?

In diesem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um Sex während der Schwangerschaft – ehrlich, einfühlsam und ohne Tabus.

Ist Sex während der Schwangerschaft sicher?

Eine der häufigsten Fragen, die sich werdende Eltern stellen ist, ob Sex während der Schwangerschaft überhaupt erlaubt ist. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ja.

Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft spricht in der Regel nichts gegen Geschlechtsverkehr – weder für die werdende Mutter noch für das Baby. Voraussetzung ist, dass keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Das Baby ist durch die Gebärmutter, das Fruchtwasser und den Muttermund gut geschützt.

Wann solltet ihr auf Sex verzichten?

In bestimmten Situationen kann es sinnvoll oder notwendig sein, vorübergehend auf Sex zu verzichten, zum Beispiel:

  • Bei Schwangerschaftskomplikationen (z. B. Blutungen oder vorzeitigen Wehen)
  • Wenn der Arzt oder die Ärztin davon abrät (z.B. bei einem vorzeitigen Blasensprung oder einer Plazentaablösung)
  • Bei bestimmten Infektionen, die über den Geschlechtsverkehr übertragen werden können

Wichtig ist: Höre auf die Signale deines Körpers und sprich bei Unsicherheiten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Verändert sich das Verlangen während der Schwangerschaft?

Ein schwankendes sexuelles Verlangen ist in der Schwangerschaft völlig normal. Hormone, körperliche Veränderungen und emotionale Prozesse beeinflussen die Lust – und das bei jeder Frau anders.

Typische Veränderungen im Verlauf einer Schwangerschaft:

1. Trimester: Müdigkeit, Übelkeit und hormonelle Umstellung können das Verlangen verringern.

2. Trimester: Viele Frauen erleben hier einen Anstieg des Verlangens, da die Übelkeit nachlässt und sie sich an die Schwangerschaft gewöhnen.

3. Trimester: Der wachsende Bauch, körperliche Beschwerden und schnelle Erschöpfung können das Verlangen wieder verringern oder verändern.

Entscheidend ist, dass beide Partner offen miteinander kommunizieren und die Bedürfnisse und Gefühle des Gegenübers respektieren.

Wie sich der Körper verändert

Mit der Schwangerschaft verändert sich nicht nur der Hormonspiegel, sondern auch der Körper selbst. Das kann Auswirkungen auf die Sexualität haben.

Einige körperliche Veränderungen, die den Sex beeinflussen können:

  • Veränderte Brüste: Empfindliche oder größere Brüste können für einige Frauen eine neue Erfahrung beim Sex darstellen.
  • Vermehrte Durchblutung: Der erhöhte Blutdruck kann die Genitalregion stärker durchbluten und zu einer intensiveren Empfindsamkeit führen. 
  • Vergrößerter Bauch: Besonders im dritten Trimester kann der Bauch die Bewegungen und die Position beim Sex erschweren. 

Neue, bequeme Positionen können dabei helfen, den Sex trotz der körperlichen Veränderungen angenehm zu gestalten.

Intimität während der Schwangerschaft bewahren

Mit der Schwangerschaft kommt auf die meisten Paare ein ganz neuer Alltag zu. Doch gerade in dieser besonderen Zeit ist es wichtig, die Intimität nicht zu vernachlässigen. Wir haben einige Ideen und Ansätze zusammengefasst, die ihr nutzen könnt, um Intimität in euren neuen Alltag zu bringen:

  • Offene Kommunikation: Sprecht miteinander über eure Bedürfnisse und Wünsche – das gilt für körperliche, wie für emotionale Nähe.
  • Kreative Dates: Verbringt Zeit miteinander, auch wenn es nicht um Sex geht. Gemeinsame Aktivitäten wie Kuscheln, Massagen oder Spaziergänge können eure Bindung stärken.
  • Achtsamkeit und Geduld: Seid geduldig miteinander und achtet auf die neuen Umstände und Bedürfnisse eures Alltags.

Intimität bedeutet nicht nur Sex, sondern vor allem Nähe, Vertrauen und Verbundenheit.

Kann Sex in der Schwangerschaft Wehen auslösen?

Viele Paare sorgen sich, dass Sex vorzeitige Wehen auslösen könnte. Tatsächlich kann Sex wehenfördernd wirken – allerdings meist erst gegen Ende der Schwangerschaft und vor allem dann, wenn der Körper bereits geburtsbereit ist.

Beim Orgasmus wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Es ist als „Kuschelhormon“ bekannt, spielt aber auch eine zentrale Rolle bei Wehen. Zusätzlich können die im Sperma enthaltenen Stoffe den Muttermund weicher machen. Zusätzlich können im Sperma enthaltene Stoffe den Muttermund weicher machen. Diese Effekte können zu leichten Kontraktionen führen, die bei einer gesunden Schwangerschaft in der Regel harmlos und vorübergehend sind.

In den meisten Fällen lösen Sex oder ein Orgasmus keine gefährlichen vorzeitigen Wehen aus. Der Körper reagiert nur dann stärker, wenn er bereits für die Geburt bereit ist oder medizinische Komplikationen vorliegen. Treten nach dem Sex regelmäßig schmerzhafte, anhaltende oder zunehmende Kontraktionen auf, solltest du dies ärztlich abklären lassen.

Wenn es während der Schwangerschaft bereits zu Komplikationen gekommen ist oder Unsicherheiten bestehen, ist es sinnvoll, das Thema offen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu besprechen. So könnt ihr gemeinsam entscheiden, was für euch und euer Baby sicher ist.

Hebammen-Tipp

„Am Ende der Schwangerschaft kann Sex – inklusive Orgasmus – ganz bewusst als sanfter Geburtshelfer genutzt werden. Wichtig dabei immer: Es soll sich für euch gut und richtig anfühlen.“

Erlaubt ist, was sich für euch gut anfühlt

Sex in der Schwangerschaft darf – und wird – sich verändern. Für die meisten Paare ist er unbedenklich, solange keine medizinischen Gründe dagegensprechen.

Euer Körper verändert sich, Gefühle schwanken, Lust kommt und geht. All das ist normal. Entscheidend ist nicht, wie Sexualität „sein sollte“, sondern wie sie sich für euch richtig anfühlt. Offenheit, gegenseitiger Respekt und Vertrauen helfen, euren ganz eigenen Weg zu finden – ohne Druck und ohne Vergleiche.

Und wenn Fragen oder Unsicherheiten auftauchen: sucht die Beratung eurer Ärztin, eures Arztes oder eurer Hebamme, um wieder Ruhe und Sicherheit zu gewinnen.

Mehr zu diesem Thema:

Weitere Artikel zu diesem Thema

Schwangere Frau mit Obst und Gemüse – Gewichtszunahme während der Schwangerschaft unterstützt das Wachstum des Babys.
Gesundheit Schwangerschaft

Gesunde Gewichtszunahme in der Schwangerschaft: Wie viel ist normal?  

Während der Schwangerschaft verändert sich dein Körper auf wunderbare Weise, um deinem Baby die besten Voraussetzungen für einen gesunden Start ins Leben zu geben. Eine gesunde Gewichtszunahme zeigt, dass dein Baby wächst und sich entwickelt. Du fragst dich aber, wie viel Gewichtszunahme ist normal, wie…

Artikel lesen
Ein Baby sitz auf einen weißen Bett. Es hat sichtbar rote Bäckchen vom Zahnen.
Babys erstes Jahr Entwicklung deines Babys Gesundheit

Wenn die ersten Zähnchen kommen – was Eltern über das Zahnen wissen sollten 

Das erste Zähnchen blitzt durchs Zahnfleisch: ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Babys! Doch der Weg dorthin ist oft nicht ganz einfach. Das Zahnen kann sowohl für das Baby als auch für die Eltern mit Herausforderungen verbunden sein.  In…

Artikel lesen
Ein Paar hält gemeinsam ein Ultraschallbild vor dem Bauch der werdenden Mutter, im Hintergrund ist eine ländliche Szene bei Sonnenuntergang zu sehen.
Entwicklung deines Babys Gesundheit Schwangerschaft

Die Trimester einer Schwangerschaft – Das erwartet dich und dein Baby

Eine Schwangerschaft ist eine Reise voller kleiner Wunder. Vom ersten positiven Test bis zum Moment, in dem dein Baby das Licht der Welt erblickt, vergehen etwa 40 Wochen – aufgeteilt in drei sogenannte Trimester. In jeder dieser Phasen passiert sowohl…

Artikel lesen
Kleines Kind mit Sauerstoffmaske sitzt auf einem Bett, während eine Hand sanft den Kopf berührt.
Babys erstes Jahr Gesundheit

Wenn Atmen schwerfällt – was du über RSV bei Babys wissen solltest

Die ersten Wochen mit Baby sind voller besonderer Momente – der erste Blickkontakt, das erste Lächeln, das erste warme Bad. Doch manchmal kommt auch der erste Infekt schneller, als man denkt. Ein Husten, ein Schnupfen – und plötzlich macht das…

Artikel lesen