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Es ist kurz nach Mitternacht. Eben hat euer Baby noch friedlich geschlafen, jetzt ist es plötzlich unruhig, die Nase ist dicht und die Stirn fühlt sich verdächtig warm an. Während einer von euch versucht, das weinende Kind zu beruhigen, beginnt der andere zu suchen: Wo ist eigentlich das Fieberthermometer? Haben wir Kochsalzlösung zu Hause? Und waren da nicht irgendwo noch Fieberzäpfchen? Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie hilfreich eine gut vorbereitete Haus- und Notfallapotheke sein kann. Denn krank werden Kinder bekanntlich nicht nur dann, wenn Kinderarztpraxis und Apotheke geöffnet haben.
Welche Basics sollten also in keinem Familienhaushalt fehlen? Was könnt ihr euch sparen? Und wann gehört die Hausapotheke besser zurück in die Schublade und stattdessen das Telefon in die Hand?
Im Podcast „Was Hebammen wirklich denken“ sprechen Hebamme Franzi und Kinderärztin, Intensivmedizinerin und Notärztin Dr. Katharina Rieth darüber, wie die Haus- und Notfallapotheke mit Kind aussehen sollte, worauf zu achten ist und auch darüber, wann die Hausapotheke nicht mehr ausreicht.
Gerade beim ersten Kind ist die Unsicherheit oft groß. Und ausgerechnet dann, wenn das Baby nachts Fieber bekommt, oder sich am Wochenende verletzt, möchte niemand erst herausfinden müssen, was jetzt eigentlich gebraucht wird.
Deshalb lohnt es sich, die Hausapotheke schon vor der Geburt beziehungsweise in den ersten Wochen mit Baby zusammenzustellen. Dabei geht es nicht darum, für jedes mögliche Wehwehchen ein Medikament zu bevorraten. Viel hilfreicher ist eine überschaubare Grundausstattung, bei der ihr wisst, was wo liegt und wie es verwendet wird.
Welche Ausstattung ihr tatsächlich braucht, hängt auch vom Alter und von den individuellen Bedürfnissen und eventuellen Vorerkrankungen eures Kindes ab. Eine Liste, für eine praktische Grundausstattung kann beispielsweise so aussehen:
✔ Fieberthermometer
✔ Kochsalzlösung und Nasensauger
✔ Wundschutzcreme
✔ Pflaster und Verbandsmaterial
✔ Pinzette
✔ Kühlpack – nie direkt auf die Haut legen
✔ Kirschkern- oder Traubenkernkissen
✔ Elektrolytlösung
✔ alters- und gewichtsangepasste Schmerz- und Fiebermittel nach entsprechender Beratung
✔ individuell benötigte Medikamente, beispielsweise bei chronischen Erkrankungen
✔ später beispielsweise ein Beißring für die Zahnungszeit
Auch wichtige Telefonnummern und Anlaufstellen für medizinische Fragen und Notfälle solltet ihr griffbereit haben.
Nummer für den ärztlichen Notdienst: 116 117
Feuerwehr und Rettungsdienst: 112
Nummer eurer regionalen Giftnotrufzentrale
Fieber gehört zu den Beschwerden, die Eltern gerade im ersten Lebensjahr häufig verunsichern. Ein zuverlässiges Fieberthermometer sollte deshalb zur Grundausstattung gehören. Auch fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente können Teil der Hausapotheke sein – allerdings immer passend zu Alter und Gewicht des Kindes. Vor der Anwendung solltet ihr deshalb den Beipackzettel beachten und im Zweifel ärztlichen Rat einholen oder euch in der Apotheke beraten lassen.
Besondere Vorsicht gilt bei sehr jungen Säuglingen: Bei Babys unter drei Monaten sollte Fieber ab 38 °C medizinisch abgeklärt werden.
Bei einer verstopften Nase können Kochsalzlösung und Nasensauger zur Grundausstattung gehören.
Einen Schrank voller Erkältungsmittel braucht es dagegen nicht. Auch Hustensäfte gehören nicht automatisch in eine Kinder-Hausapotheke, denn das sollte immer mit einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt abgestimmt werden.
Eine Wärmflasche ist für Babys keine gute Wahl: Wird sie undicht oder ist sie zu heiß, drohen Verbrennungen. Als Alternative kann ein vorsichtig temperiertes Kirschkern- oder Traubenkernkissen für Kinder und Babys verwendet werden, denn die sind auch an das Gewicht der Kleinen angepasst.
Spätestens wenn euer Baby mobil wird, solltet ihr außerdem die gesamte Wohnung mit Kinderaugen betrachten. Medikamente und andere potenziell giftige Substanzen gehören konsequent außer Reichweite. Denkt dabei auch an Handtaschen von Gästen: Darin können Medikamente liegen, die kleine Kinder mit Süßigkeiten verwechseln.
Und schaut regelmäßig durch eure Hausapotheke. Sind Medikamente noch haltbar? Ist das Verbandsmaterial vollständig? Funktioniert das Thermometer? Und passen vorhandene Medikamente noch zu Alter und Gewicht eures Kindes?
Bewahrt die wichtigsten Dinge für euer Baby gesammelt in einem eigenen Täschchen oder an einem festen Platz auf. So müsst ihr nachts mit einem weinenden oder fiebernden Baby auf dem Arm nicht erst verschiedene Schubladen durchsuchen.
Ganz wichtig ist auch: Kennt eure Not- und Hausapotheke: Wie funktioniert das Thermometer? Wo liegt die Kochsalzlösung? Welche Medikamente sind für euer Kind vorgesehen? Gute Vorbereitung kann dabei helfen, in einer ohnehin aufregenden Situation ruhiger zu bleiben.
Eine gut ausgestattete Hausapotheke gibt Sicherheit, aber sie ersetzt keine medizinische Versorgung.
Zu den Warnzeichen, bei denen ihr medizinische Hilfe holen solltet, gehören insbesondere ein deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand, Atem- oder Kreislaufprobleme oder eine eingeschränkte Wachheit. Auch anhaltendes starkes Erbrechen oder Durchfall mit Anzeichen einer Austrocknung, Blut im Stuhl oder nicht wegdrückbare rote Hautpunkte sollten medizinisch abgeklärt werden.
Bei Babys können außerdem Trinkschwäche, ungewöhnliche Schläfrigkeit, trockene Windeln oder eine auffällige Atmung Warnzeichen sein.
Wenn euch euer Kind deutlich anders vorkommt als sonst oder ihr unsicher seid, holt euch Rat. Gerade als frischgebackene Eltern müsst ihr nicht allein entscheiden können, ob ein Symptom harmlos ist oder ärztlich abgeklärt werden sollte.
Eine gute Haus- und Notfallapotheke zeichnet sich nicht dadurch aus, dass für jede Eventualität ein Mittel im Schrank steht. Viel wichtiger ist eine überschaubare Grundausstattung, die zum Alter eures Kindes passt – und das Wissen, wie ihr sie richtig einsetzt.
Auch ein Kindernotfall- oder Erste-Hilfe-Kurs kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur Vorbereitung auf das Familienleben sein. Denn am Ende geht es nicht nur darum, Thermometer, Kochsalzlösung und Pflaster griffbereit zu haben. Es geht vor allem darum zu wissen: Was können wir selbst tun – und wann braucht unser Kind medizinische Hilfe?
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Orientierung und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Welche Medikamente für euer Kind geeignet sind und wie diese dosiert werden, solltet ihr mit eurer Kinderärztin, eurem Kinderarzt oder einer Apotheke klären. Bei einem medizinischen Notfall wählt den Notruf.
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