
Die Phasen der Geburt: Was du wissen solltest
Inhaltsverzeichnis
Die Geburt ist ein einzigartiges und intensives Erlebnis, das sich in drei Hauptphasen unterteilt: die Eröffnungsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburtsphase. Jede dieser Phasen hat ihre eigenen Merkmale, Herausforderungen und körperlichen Veränderungen. Hier erfährst du, was während jeder Phase passiert und wie du dich bestmöglich darauf vorbereiten kannst.
1. Die Eröffnungsphase: Der Beginn der Geburt
Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt und beginnt mit den ersten regelmäßigen Wehen. Ziel dieser Phase ist die Öffnung des Muttermundes auf etwa 10 cm, damit das Baby geboren werden kann.
Typische Anzeichen der Eröffnungsphase:
✅ Erste regelmäßige Wehen, die sich in Intensität und Häufigkeit steigern
✅ Der Muttermund beginnt sich zu verkürzen und zu öffnen
✅ Eventueller Abgang des Schleimpfropfs
✅ Blasensprung (nicht immer zu Beginn)
Wann ins Krankenhaus fahren?
- Wenn die Wehen regelmäßig alle 5 Minuten kommen und etwa 60 Sekunden anhalten (bei Erstgebärenden)
- Bei Mehrgebärenden bereits bei Wehen alle 7-10 Minuten
- Wenn die Fruchtblase platzt, insbesondere wenn das Fruchtwasser grünlich oder blutig erscheint
- Bei starken Schmerzen oder Unsicherheiten – besser einmal zu früh als zu spät losfahren!
Tipps für diese Phase
- Ruhe bewahren und die Wehen in einer entspannten Umgebung verarbeiten
- Bewegung kann helfen, den Geburtsverlauf zu fördern (z. B. aufrecht bleiben, gehen oder auf dem Gymnastikball sitzen)
- Falls möglich, in der frühen Phase noch schlafen oder essen, um Energie für die nächste Phase zu sammeln
- Atemtechniken und Entspannungsübungen nutzen, um die Schmerzen zu lindern
Tipp: 📱 Es ist sinnvoll, die Wehen zu tracken, um die Abstände im Blick zu behalten. Dafür gibt es Wehen-Apps, die dabei helfen, den Verlauf zu dokumentieren. Die Partner:in kann diese Aufgabe übernehmen, damit die Gebärende sich entspannen kann.
Dauer: Die Eröffnungsphase kann zwischen 6 und 12 Stunden oder länger dauern, insbesondere bei Erstgebärenden.
Unser Hebammen-Tipp
„Dein Körper gibt dir Signale – höre darauf! Wenn du müde bist, gönn dir Ruhe. Wenn du dich bewegen möchtest, tue das in einem Tempo, das sich gut anfühlt. Die Geburt ist ein natürlicher Prozess, und dein Körper weiß, was er tut.“
2. Die Austreibungsphase: Geburt des Babys
In der Austreibungsphase ist der Muttermund vollständig geöffnet und das Baby bewegt sich durch den Geburtskanal. Dies ist der kraftvollste Moment der Geburt.
Typische Anzeichen der Austreibungsphase:
✅ Der Drang zu pressen setzt ein
✅ Die Wehen sind besonders intensiv
✅ Das Baby rutscht tiefer in das Becken
✅ Der Damm wird stark gedehnt
Was sind Presswehen?
Presswehen sind besonders starke Wehen, die durch den natürlichen Pressdrang ausgelöst werden. Sie helfen dem Baby, sich durch den Geburtskanal zu bewegen. In dieser Phase arbeitet die Gebärende aktiv mit und nutzt die Wehen gezielt, um das Baby nach unten zu schieben.
Dauer: Diese Phase dauert in der Regel zwischen 30 Minuten und 2 Stunden.
Wie endet die Austreibungsphase? 🍼 Die Austreibungsphase endet mit der Geburt des Babys. Sobald das Baby vollständig geboren ist, wird es der Mutter auf die Brust gelegt, um das Bonding zu fördern.
Tipps für diese Phase:
- Eine aufrechte Geburtsposition kann die Geburt erleichtern (z. B. Hocke, Vierfüßlerstand)
- Unterstützung durch die Hebamme nutzen, um den Damm zu schützen
- Bewusstes Atmen zwischen den Presswehen, um Energie zu sparen
Unser Hebammen-Tipp
„Wenn du das Gefühl hast, nicht mehr weiterzukönnen, bist du deinem Baby meist schon ganz nah! Diese letzte Phase erfordert viel Kraft, aber du bist nicht allein – deine Atmung und deine Geburtsbegleitung helfen dir, dein Kind sicher auf die Welt zu bringen.“
3. Die Nachgeburtsphase: Die Plazenta wird geboren
Nach der Geburt des Babys folgt die Nachgeburtsphase, in der die Plazenta (Mutterkuchen) abgestoßen wird.
Typische Anzeichen der Nachgeburtsphase:
✅ Leichte Nachwehen helfen, die Plazenta aus der Gebärmutter zu lösen
✅ Die Plazenta wird innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach der Geburt ausgestoßen
✅ Der Körper beginnt, sich hormonell auf das Wochenbett einzustellen
Tipps für diese Phase:
- Das Baby direkt nach der Geburt auf die Brust legen (Bonding fördert die Nachgeburt)
- Ruhe bewahren und sich vom Geburtsteam betreuen lassen
- Nach der Geburt ausreichend trinken und auf leichte Mahlzeiten achten
Besondere Geburtsverläufe
Nicht jede Geburt verläuft nach dem klassischen Schema. Es gibt verschiedene Sonderformen, die einen anderen Geburtsverlauf mit sich bringen:
- Sturzgeburt: Sehr schnelle Geburt, die innerhalb von 2-3 Stunden abgeschlossen ist
- Lange Geburt: Wenn die Eröffnungsphase über 18 Stunden dauert
- Kaiserschnitt: Geplante oder ungeplante operative Geburt
- Wassergeburt: Entbindung im warmen Wasser zur Schmerzlinderung
Jede Geburt ist einzigartig
Die drei Geburtsphasen laufen bei jeder Frau individuell ab. Eine gute Vorbereitung, Vertrauen in den eigenen Körper und die Unterstützung durch die Hebamme oder Geburtsbegleitung helfen, die Geburt bestmöglich zu erleben. Dein Körper ist für diese Herausforderung gemacht – du schaffst das!
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